Weserkurier 9.11.83

...Der nüchtern dokumentarischen Bestandsaufnahme Riebesehls setzt Brodmann jedoch eine subjektive Sicht auf die Landschaft entgegen.....


Daniel Simons, Ausstellung im Atelier Scharrnstraße 23, Braunschweig, 25.11.2001

...Was ist die Authentizität, die "Unverwechselbarkeit" von Uwe Brodmann? Vielleicht das "Unspektakuläre im Spektakulären". Oder umgekehrt. In der Mitte, als nicht gleich erkennbare, auf Selbst-Inszenierung verzichtende Meisterschaft. Eher leise als laut. Ohne sich aufdrängende Botschaft, aber mit allen Grautönen. Zen und die Dialektik von Suchen und Finden...
Darüber hat Hermann Hesse einmal geschrieben:
"Wenn jemand sucht, dann geschieht es leicht, dass sein Geist nur noch das Ding sieht, dass er sucht - dass er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er immer nur an das Gesuchte denkt, weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist. Suchen heißt: Ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben."


Braunschweiger Zeitung, Rolf Heckelsbruch, Ausstellung in "Galerie für Photographie", Braunschweig 1981

Uwe Brodmann kommt mit seinen Bildern noch am stärksten der Dokumentarphotographie nahe, dies aber auf poetische Weise.....hat der Photograph die von Menschen gestaltete Kulturlandschaft aufgenommen: Felder vor Wäldern und Industrieanlagen, Parkszenen und eine faszinierende Parklandschaft. Es sind überwiegend extreme Quer- und Hochformate, die den Bildern eine suggestive Weitwinkeltiefe geben und die fast schon die Grenze von der Stille zur Monotonie überschreiten.


Hans Ulrich Müller, Hannover 1985

...Ihrer Funktion entkleidet, erstarrt Architektur zur Leblosigkeit, wird zum eigenständigen Raumkörper, wird Plastik. So teilen die Bilder von Brodmann viel über den Menschen mit, obwohl der Mensch in seinen Bildern nicht vorkommt.


"Uwe Brodmann und die schöne Fotografie" Katalog Nürnberg, Axel Dick, 1986

Susan Sontag - eine kluge Kritikerin - sagte 1977: Für die meisten Amateure ist eine Schöne Fotografie eine Fotografie von etwas Schönem" - In diesem Sinne sind die Fotos dieser Ausstellung nicht schön....
... sie sind meisterlich gestaltet, d.h. sie sprechen eine klare Sprache, ohne je langweilig zu wirken. In diesem Sinne sind die Bilder dieser Ausstellung schön.


Martin Jasper, Braunschweig 2000

Der "Wahnsinns-Bilderflut" unserer Zeit mit all den technischen Sensationen und Revolutionen setzt der Fotograf, der sich von allen Moden und innovativem Kunstdrang um der Innovation willen gelassen distanziert, seine betont unspektakulären Bilder entgegen.
Was Brodmann fasziniert an diesem landschaftlichen Minimalismus, sind die graphischen Elemente, die Auflösung in Linien und Strukturen. Er erspürt den ästhetischen Reiz von Ordnung und Wildwuchs. Und entdeckt die kleinen Unregelmäßigkeiten und Überraschungsmomente, die wie in der Minimal Music die Spannung ausmachen und Atmosphäre aufbauen....und während Kollegen Ausrüstungen im Gegenwert eines Sportwagens umher schleppen, ist Brodmann zumeist mit einer alten russischen Panorama-Kamera unterwegs, durch deren 120-Grad-Blickwinkel jene typische leere Weite in seine Bilder kommt, die so leer und weit ist, dass sie schon wieder wirkt wie angefüllt mit einem beinahe surrealen Fluidum....auf der Suche nach dem Unspektakulären ist Brodmann auch bei seinen Portraits, die - ebenfalls mit Panorama aufgenommen - die Porträtierten besonders intensiv in ihr alltägliches Ambiente einbinden...

(Die alte russische Panoramakamera ist mittlerweile durch eine japanische Rollfilm-Panorama ersetzt worden.)


Marianne Winter, Braunschweig 2005

Der Salon Salder ist nun zum 15. Mal ein wichtiges Forum niedersächsischer Künstler..... Mit einer Panoramakamera beobachtet Uwe Brodmann auf Breitwand seine Freunde inmitten der Orte, die Teil ihrer Persönlichkeit sind. Ihm gelingt eine komplexe Charakterisierung. So erscheint Klaus Stümpel als Teil des Waldes, der ....


Karl-Heinrich Weghorn, Braunschweig 2005

Bilder mit einem einzigartigen Ausdruck entstehen: ruhig gestaltete, nahezu minimalistische, oft annähernd symmetrische Landschaftsansichten mit einer lyrisch und meditativ anmutenden Bildkomposition.... ....So gewinnen Uwe Brodmanns Portraits trotz ihrer fast immer strengen Bildgestaltung ohne überflüssige Schnörkel ein hohes Maß an Authentizität und lassen sich fast wie Bücher lesen. In all seinen Arbeiten lässt Uwe Brodmann die Portraitierten als selbstbewusste, mitten im Leben stehende Persönlichkeiten erscheinen....


Prof. Dr. Michael Schwarz, Eröffnung D-Day 2009 im "bs 15"

... Auch bei Uwe Brodmann ist das so, auch er hat seine Bildwirklichkeit im Kopf und erweitert sein fotografisches Werk, indem er Menschen und Orte findet, die dieser seiner Bilderwelt entgegen kommen....
Ohne dass er sie gesucht hatte - eher hatten sie ihn, den Fotografen, gesucht - liierten sich die Bilder dieser ergreifend inszenierten Gedenkfeierlichkeiten mit den Bildern im Kopf und es entstand die Werkgruppe D Day 2009. Zunächst waren da Colonel Alex Johnson, Bill Dunn (Tankdriver), Patrick Moora und Ron Cross, hoch dekorierte Veteranen im blauen Blazer. Uwe Brodmann stellt sie in die Mitte seiner extrem querformatigen Aufnahmen vor ihren Tank, aber wichtiger noch: vor ihre Küste. Das Meer, der Kanal, über den sie vor 65 Jahren gekommen waren, der Strand, an dem sie gekämpft und überlebt hatten, liegt hinter ihnen. Das ist eine Bildregie, wie wir sie aus dem Werk von Uwe Brodmann kennen. Aber hier überrascht uns der Fotograf mit einer Erzählfreude, einem Perspektivwechsel und einem Gespür für die historische Dimension der Szenen, die ein ganz neues Kapitel in seinem schon heute recht umfangreichen Werk aufschlagen....

Erst mit diesen Aufnahmen, so scheint mir, wird der Heldenmut der Soldaten in seiner ganzen Größe deutlich, erst mit diesen Bildern könnte die Serie von Uwe Brodmann zum festen Bestandteil unseres Bildergedächtnisses an die Opfer dieser weltgeschichtlich so bedeutenden Befreiungsschlacht werden.


Kristina Tieke, Hannoversche Allgemeine, Oktober 2010

Der "Salon Salder" in Salzgitter wird 20 Jahre alt
...Einige Maler wie Rainer Splitt, Lienhard von Monkiewitsch oder Christel Irmscher, alle bereits bei der Premiere 1991 dabei, wurden über die Jahre gleich mehrmals ausgestellt, um ihre Entwicklung zu verfolgen. Doch diesmal kommen die stärksten Stücke der Schau von den Fotografen. Janina Wiek, die an der Fachhochschule Hannover studiert hat, überzeugt mit einfühlsamen Aufnahmen 13-jähriger Mädchen...
Und Uwe Brodmann porträtiert in seiner Serie "D-Day" Kriegsveteranen bei den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag der Invasion. Ihre gebrechlichen Gestalten am Strand der Normandie werden zur Projektionsfläche für die Leiden der Vergangenheit...


Michael Stoeber, 20 Jahre Salon Salder 2010

Uwe Brodmann zeigte seine Bilder im Salon Salder im Jahre 2005. Der Künstler ist mit stillen minimalistischen Landschaftsaufnahmen bekannt geworden, deren Horizontalität er mittels einer Panoramakamera verstärkt. Diese setzt er Anfang der neunziger Jahre auch für Porträtaufnahmen ein. Ihr großer Aufnahmewinkel erlaubt es ihm, seine Protagonisten in Interaktion mit anderen zu zeigen oder in ihrem beruflichen und häuslichen Umfeld, um sie noch präziser zu charakterisieren... Brodmann fotografierte die Gedenkfeier im Jahr 2009.
Es ist bewegend, die alt gewordenen, Orden geschmückten Kämpfer vor dem Hintergrund der Küste zu sehen, wo so viele ihrer Kameraden ihr Leben gelassen haben....


Susanne Jasper, BZ Braunschweig 24.09.2011, Panoramen der Erinnerung -
Das Herzog Anton Ulrich-Museum gesehen von Uwe Brodmann

...Er ist allein dem eigenen Empfinden gefolgt, mit dem unverstellten Blick des Außenstehenden hat er sich nur seiner eigenen Perspektive verpflichtet gefühlt. So hat er auf sehenswerte Weise mit seinen Fotos im Panoramaformat zugleich ein Stück Museumsgeschichte künstlerisch festgehalten und sich selbst in diese eingeschrieben!
Alle Gemälde sind raus, und doch ist es so, als betrachte man nicht ein Foto eines ausgeräumten Gemäldesaals, sondern ein Gemälde von Edward Hopper. Arrangiert hat Brodmann nichts, die Kompositionen ergeben sich aus Licht, Schatten, wiederkehrenden Strukturen.


Bettina Maria Brosowsky, taz
Der Erzähler 30.11. 2011

...Seiner kulturellen und politischen Neugier folgt Brodmann auch in einer ganz aktuellen Arbeit: Er fotografiert Menschen und Familien mit Migrationshintergrund .. sowohl zu Hause als auch an ihrem Arbeitsplatz. Wie leben diejenigen, die ihre Wurzeln nicht in Deutschland haben? Pflegen sie die Traditionen ihrer Heimat? Gibt es das, was Politiker polemisch als Parallelgesellschaften bezeichnen, wirklich? Diese Klischees könne man vergessen, beschreibt Brodmann seine Eindrücke. Die komplette Bildstudie wird im März 2012 im Schloss Salder in Salzgitter gezeigt.


Prof. Dr. Joachim Luckardt, Direktor Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig
Ausstellung-Katalog "Panoramen der Erinnerung" 21.09.2011

Als Projekt gehört sie zur Geschichte des Museums, gleichzeitig schreibt sie aber Geschichte, und das auf mehreren Ebenen. Das Museum rezipiert nicht nur mit diesen Fotos das Gesehene und hält es fest, sondern gestaltet in der vorliegenden Form sein eigenes Gedächtnis. Uwe Brodmanns Fotografien sind "Kunst über das Museum" geworden, wir sehen sie auch zugleich als "Museumskunst", denn die jetzt in dieser Sonderausstellung präsentierten Arbeiten werden überwiegend auch in der Zukunft präsentiert, in den Räumen des Erweiterungsbaues des Museums.


Dr. Sven Nommensen, Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig
Ausstellungskatalog "Panoramen der Erinnerung" 21.09.2011

Uwe Brodmanns Verdienst liegt darin, das gemeinhin für Dokumentationszwecke verwendete Panorama-Format für künstlerische Zwecke zu nutzen. Insofern betrat Uwe Brodmann terra incognita, was sich auch daran ablesen lässt, dass bis in die 1980er Jahre hinein Panorama-Fotografie als künstlerisches Format weitgehend unbekannt war. Selbst in amerikanischen photo-annuals (Fotografie-Jahrbüchern) jener Zeit waren keine Panorama-Aufnahmen ausfindig zu machen, also in Publikationen aus jenem Land, in welchem bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts die Fotografie als Kunstform etabliert war.

Auch die Panoramen Josef Sudeks lernte Brodmann erst in den 1980er Jahren kennen. Der in Braunschweig lebende und arbeitende Künstler kann für sich in Anspruch nehmen, im deutschsprachigen Raum als einer der wenigen, wenn nicht sogar als einziger in den 1970er Jahren die Möglichkeiten der Panorama-Fotografie erkannt zu haben. Im Rahmen von Ausstellungen zollte man diesem Format und seinem Fotografen Anerkennung.


Florian Ebner, Leiter des Museum für Photographie, Braunschweig
Ausstellungskatlog "Migration - Integration" Salzgitter Salder 18.03.2012

Für Uwe Brodmanns Projekt "Migration und Integration" hingegen ist die Identität der Person mit dem sie umgebenden architektonischen und sozialen Raum von besonderer Bedeutung. Seine Aufnahmen erinnern an die Breitwand-Einstellung des Cinemascopeformats. Von ihren Auffassungen her sind es hybride Bilder zwischen Porträt und szenischer Landschaft, in welche die Figuren präzise eingepasst sind. Wie kaum ein anderer deutscher Fotograf hat Uwe Brodmann über die vergangene 30 Jahre hinweg den panoramatischen Blick auf die unterschiedlichsten Genres der Fotografie angewandt, auf Kultur und Stadtlandschaften, auf Architektur und Innenraum. Er hat somit dieses schwierige Format, das es kompositorisch zu bewältigen gilt (ohne eben die lang gezogene, zum Effekt neigende Form zu betonen) erst für eine dokumentarisch-künstlerische Haltung fruchtbar gemacht. Dass ihm damit auch Porträts und Gruppenporträts gelingen, hat er nicht nur mit Aufnahmen unter Beweis gestellt, die sich in einem seinem Buch "Stadt-Land-Mensch" wiederfinden, sondern auch in seiner Serie "Words cannot express...", die Ende der 2000er Jahre an der Küste der Normandie entstanden ist und die alte Veteranen des Krieges in ihrer gemeinsamen Erinnerungsarbeit zeigt.

Bemerkenswert in unserem Kontext ist nicht zuletzt sein Projekt "Familienbande", das 2008 im Auftrag des Braunschweiger Staatstheaters entstanden ist. Gegenstand dieser Serie waren Gruppenporträts von Familien. Das Interesse Brodmanns galt dabei der Frage, wie das Verhältnis der Generationen, aber auch wie neue familiäre Modelle (Patchwork-Familie) im Bild ihren Ausdruck finden, in der Körpersprache der Dargestellten und der Art und Weise, wie sie ihren Wohnraum für sich einnehmen.

Die Perspektive auf eine sich verändernde Gesellschaft hat Uwe Brodmann mit dem vorliegenden Projekt auf ein aktuelles Feld der politischen Diskussion übertragen. Und dabei stellt er ganz unaufgeregt fest, dass die Frage nach der Integration von Migrantinnen und Migranten einen sehr viel weiter gefassten, alltäglichen gesellschaftlichen Prozess umfasst, als es die zugespitzte politische Diskussion glauben lässt. Sichtbar werden in diesen Bildern nicht nur viele Menschen, die den Ehrgeiz haben, im Leben etwas zu erreichen. Sichtbar wird auch die unterschiedliche Bereitschaft, in den Wertvorstellungen und Lebensentwürfen der Mehrheitsgesellschaft aufgehen zu wollen, oder vielmehr ein eigenes, kulturell anders geprägtes Leben darin bewahren zu wollen. Sichtbar wird nicht zuletzt auch, dass sich Uwe Brodmanns inhaltliches, soziologisches Interesse nie vor die bildliche Qualität seiner Fotografie schiebt.


Prof. Rolf Sachsse: Allsichtiges mit Bauten, Bäumen und Menschen
Stadt-Land-Mensch - Die Panoramabilder von Uwe Brodmann

Die Panorama-Photographien von Uwe Brodmann sind technische Bilder, aber auch ihr Sehen ist viel älter als die apparative Aufnahme- und Verarbeitungstechnologie...

Stadt - Land - Fluss: Dieses Kinderspiel ist für Generationen begriffsbildend gewesen, nicht nur im Sinn der Bildung. Neben der Fähigkeit der Zuordnung von Namen zu anderen - mit überprüfbarem Wissen, also Wahrheitsanspruch - wird in diesem Spiel assoziativ mit Räumen umgegangen, mit Vorstellungen und Träumen vom Verreisen und Kennenlernen. Dass der Fluss hier durch den Menschen ersetzt wurde, hat auch metaphorische Bedeutung. Zum Einen ist die Photographie das Medium des Stillstellens von Zeit schlechthin; mit Roland Barthes ist alles, was in der Zigstel Sekunde des Auslösens vor der Kamera zu sehen war, unmittelbar Geschichte geworden, schlichtweg tot. Zum anderen hebt gerade Uwe Brodmann durch die Panoramakamera mit rotierendem Objektiv dieses Abschlachten des Augenblicks noch ein wenig auf, selbst wenn er nicht von den Möglichkeiten einer Mehrfachbelichtung während der Rotation Gebrauch macht.

Das Portrait gehört zu den nobelsten Aufgabe jeder Abbildtechnologie. Für das photographische Portrait gilt wie für jedes andere, dass es zunächst als Epitaph funktioniert: So wie auf diesem einen Bild wird der gezeigte Mensch nie wieder aussehen, ob wir Betrachtenden das nun wollen oder nicht - in der Photographie ist jedoch die frühere Sitzung als Begegnung zwischen Künstler und Dargestelltem auf den Bruchteil einer Sekunde zusammengeschnurrt. Für das Portraitieren ergibt sich daraus die Alternative zwischen einer metaphorisch wirkenden Situation oder einer Inszenierung im Anspruch jenseits von Zeit und Raum. Uwe Brodmann hat sich - als Teil seines Spiels mit den Assoziationen der Arbeit des Photographen - für die erste Variante entschieden: Selbstverständlich sind seine Bilder vorbereitet, doch ist der Moment des Aufnehmens irgendwann soweit fixiert, dass die Kamera ihn nur noch ausführen kann, im engen Wortsinn.

Zur Vorbereitung eines jeden Portraits gehört die Auswahl des Ortes, an dem die Protagonisten festgehalten werden; dies ist eine Arbeit, der sich Uwe Brodmann aufgrund der Arbeit mit der Panoramakamera besonders sorgfältig unterziehen muss. Hier kommen die beiden andere Elemente ins Spiel: Stadt und Land. Assoziativ, zwischen träumerisch und real vorgefunden, werden breite und weite Räume ausgesucht, die die Portraitierten als Person charakterisieren, ganz im Sinn jener Maske, die die griechischen Tragöden vor dem Gesicht trugen und durch die hindurch sie ihre anschwellenden Bocksgesänge vollführten. Person und Tragödie sind Teil eines Schauspiels, und ein wenig davon hat Uwe Brodmann aus der Antike in seine technischen Bilder hinübergerettet.....Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten sich Panoramakamera und FishEye-Objektiv als bildnerische Effektgeräte, teilweise bis zur modischen Überspannung.

Nichts davon interessiert Uwe Brodmann; für ihn ist das Panorama Teil seines Spiels mit Stadt, Land und Mensch. Im Portrait der Familie Buchler sind zwei Menschen und ein Hund in einem Raum voller Kultur und Kunst versammelt, alle und alles gehören zusammen und sind doch voneinander unendlich weit entfernt. Maler und Tänzer posieren vor klassisch leeren Räumen und sind endlich allein, aber auch in ihrer Eitelkeit entlarvt. Der Bildhauer im Garten, der Kommunikationsdirektor im Fußballstadion markieren räumliche Situationen zwischen drinnen und draußen, ihren selbstgestellten Aufgaben und Funktionen gemäß. Der Professor und das Kind im Walde sehen die Räume als Hilfsmittel, mit sich und der Natur eins sein zu können, und sei es für den Goethe'schen Augenblick, der nie vorbeigehen möge. Ein alter Photograph schließt seine Ateliertür, weil er ohnehin nichts mehr sieht. Ein Paar traut sich im Labyrinth spätromanischer Gurtbögen, und zwei Werkstätten führen sich selbst als Suchräume des Alltäglichen vor.

Immer aber steht der Mensch in der Nähe des Bildzentrums als vertikale Achse des gekrümmten Raums dahinter und bestimmt die Spielregeln der Assoziation von Stadt und Land; von seltenen Ausnahmen einmal abgesehen, bei denen meist ein Spiel im Spiel zwischen den abgebildeten Menschen vorgeführt wird. Ohne den Menschen ist der Raum nicht denkbar, und im Vorbeigehen an den Bildern selbst oder im Durchblättern dieses Katalogs wird deutlich, dass auch die Bilder ohne Menschen von Menschen geprägt sind. Durch die Aufnahmen vom Land ziehen sich Wege, es sind immer Kulturlandschaften, die hier vorgeführt werden, ganz wie in den Aufnahmen des Photographenkollegen Heinrich Riebesehl. Die Bilder der Stadt zeigen sich oft in speziellen Lichtsituationen und akzentuieren das Gemachte des Urbanen, ganz wie in den Aufnahmen des anderen Photographenkollegen Heinrich Heidersberger. Beide Kollegen stehen heute als weithin berühmte Lichtbildner für einen medienspezifischen Regionalismus, der die Kunst in der Photographie zunehmend bestimmt....

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