Texte und Kritiken (Auswahl) / Reviews

Zum Photo Essay über Reformation

Einen Photoessay über 500 Jahre Reformation erstellen – hört sich reizvoll an. Also fange ich an zu lesen, zu recherchieren, und fast zwangläufig tauche ich ein in 500 Jahre Geschichte, die unsere Region geprägt hat. Ich erfahre Neues von den eigentlichen Protagonisten Luther, Calvin, Zwingli, Bugenhagen und ihrem Vorläufer Jan Hus, von Thomas Müntzer, der über fünf Jahre in Braunschweig verbrachte und von merkwürdigen Herrschern, frommen, jüngeren und mit anderen Adjektiven bedachten.

Schaudernd stehe ich auf den Schlachtfeldern, Sievershausen, Luther am Barenberge, ja sogar Ölper. Und genauso schaudernd lese ich von aufgeklärten Herrschern, die sich nicht scheuten, Frauen als Hexen zu verbrennen. Aber ich lerne auch die Dörfer und kleinen Städte kennen, mit ihren Klöstern und Kirchen, deren unvergleichliche Architektur mir in dieser Fülle und Qualität bisher nicht aufgefallen war. Und ich sehe unsere Region mit anderen Augen: geschichtsträchtig und von großer kunsthistorischer Bedeutung. / …und von großer Bedeutung für die Reformation.

About the Reformation photo essay

Creating a photo essay about 500 years of Reformation is a challenge that sounds appealing. When I begin by reading and researching, I inevitably find myself diving into the 500 years of history that has shaped our region. Through the process, I learn from the works by the original protagonists: Luther, Calvin, Zwingli, Bugenhagen, their predecessor Jan Hus as well as Thomas Müntzer. The latter is a figure that spent over five years in Braunschweig and I imagined controversial and remarkable rulers, pious ones and younger ones that could be described with a host of other adjectives.

Transfixed and horrified I stand on the battlefields, Sievershausen, Luther on the Barenberge and, yes, even Ölper. Equally gruesome, I read of enlightened rulers who were not afraid to burn women as witches. But I also get to know the villages and small towns, with their monasteries and churches, whose incomparable architecture I had not noticed in its abundance and impressive quality. I see our region with different eyes: steeped in history and of great artistic and historical significance, for the Reformation and beyond.

Les Feuilles Mortes - Neue Kunst aus Niedersachen

Der Silberpfennig leuchtet vor dem dunklen Grund wie eine Vollmondscheibe und macht seinem lateinischen Namen »Lunaria« alle Ehre. Um ihn herum liegen verwelkte Blätter, eine Mohnkapsel, sowie eine Lindenblüte. Eine diagonal liegende längliche Spindelmuschel zieht den Blick des Betrachters auf sich. Auch sie leuchtet hell vor dem dunklen Bildgrund und das zarte papierähnliche Objekt links unter ihr, intensiviert den hellen Farbklang zu einem fast reinen Weiß. In diesen Fotografien sind keine botanischen Abbilder entstanden, die sachlich Struktur und Aufbau von Pflanzen dokumentieren, sondern Stillleben, die mit ihrer spröden Haptik eine ganz eigene berührende Ästhetik entfalten. Steht der Betrachter in der richtigen Position vor den Arbeiten, erscheinen die Fundstücke wie schwebende Objekte im All.

Vor dem schwarzen Bildgrund verlieren sie ihre alltägliche Beiläufigkeit. Einige entwickeln eine starke physische Präsenz und andere wirken fast entmaterialisiert. Brodmann hat mit Licht und Schatten dem brüchigen Pflanzenmaterial, das bald zu Staub zerfällt, Kanten und Scharten entlockt, die ein eingerolltes Blatt wie eine zarte Skulptur erscheinen lässt, dessen Ende sich zu einer Rocaille zusammengerollt hat. Es ergeben sich beinahe surreale Momente, so entpuppt sich erst beim zweiten Hinsehen die zarte Papierarbeit am linken Bildrand als Unterteil einer Knoblauchzwiebel.

Als Meister der Stillleben in der Fotografie gelten Imogen Cunningham oder Richard Mapplethorpe. Sie fotografierten jedoch großformatige Blüten, die elegant ausgeleuchtet wurden und dadurch von überwältigender Schönheit waren. In den Arbeiten von Uwe Brodmann steht dagegen das Alltägliche im Mittelpunkt. Seine Objekte sind Fundstücke, die andere Menschen gar nicht erst wahrnehmen würden. Die Pflanzen, welken Blüten und Blätter, Zapfen und Muscheln findet der Fotograf auf seinen Wanderungen oder Spaziergängen, nimmt sie mit und fotografiert sie in seinem Atelier. Ihn begeistern die Farben, Formen und Strukturen, die eine Pflanze preisgibt, wenn sie verwelkt und sich ihre Gestalt wandelt. Vor den neutralen schwarzen Bildgrund gelegt, kann der Betrachter der Wahrnehmung des Fotografen folgen und die verborgene Schönheit im Vergänglichen entdecken. Alles ist durch imaginäre Linien oder Formanalogien miteinander verbunden worden. Nichts wirkt akribisch konstruiert, eher arrangiert, wodurch die Spontaneität des Auffindens der Objekte für den Betrachter spürbar bleibt.

Das Stillleben ist ein typisches Genre in der barocken Malerei des 17. Jahrhunderts, in dem die Meister Objekte oder Blumen komponierten und arrangierten. Der Künstler und Theoretiker Gérard Lairesse forderte seine Kollegen in einem Traktat von 1707 dazu auf, das „Billige, Alltägliche und Hässliche“ aus den Stillleben auszuschließen. Trotzdem malten sie welkende Blüten und Blätter, denn sie waren Teil eines umfassenderen Bildprogramms in der Kunst jener Zeit. Die Menschen wurden indirekt aufgefordert ihre eigene Endlichkeit im Blick zu haben. Memento mori. Gedenke des Todes. Man sollte das Leben nicht mit sinnlosen Taten verschwenden und es genießen. Carpe diem. Pflücke den Tag. Der Weg von der Knospe bis zum Verwelken der Blüte symbolisierte das Werden und Vergehen des menschlichen Lebens. In den Fotografien isoliert Brodmann hingegen seine gefundenen Objekte aus dem Prozess des Vergehens, fokussiert auf die Erscheinung in einem Moment und misst ihm Bedeutung bei. Barockes carpe diem findet sein Echo in der Aufforderung zur Achtsamkeit des 21. Jahrhunderts. Er lädt den Betrachter zur meditativen Betrachtung des Vergänglichen ein und fordert ihn auf dessen Schönheit wahrzunehmen.

Trotzdem zeigt sich der Fotograf hier keineswegs als schwärmerischer Romantiker. Seine Bildtitel verweisen auf die Fundorte seiner gesammelten Stücke und entziehen sie damit der Beliebigkeit. Die Titel der hier abgebildeten Objekte heißen „Bingen, La Villa Stern“ und verweisen auf deren Fundort, die anderen Titel der Serie wurden nach Straßennamen benannt. Jeder könnte also die Orte aufsuchen und sich selbst nach all den vergänglichen Herbstschönheiten umschauen. Eine poetischere Wegbeschreibung lässt sich wohl nirgendwo finden.

Les Feuilles Mortes - New Art from Lower Saxony

The silver curved shape shines before the dark background like a full moon disk and lives up to its Latin name of ‘Lunaria’. Around it lie withered leaves, a poppy pod, and a linden blossom. A diagonally placed elongated spindle shell attracts the viewer’s attention. It also shines brightly in front of the dark background and the delicate paper-like object on the left below it intensifies the interplay of light colours to an almost pure white. These photographs do not offer botanical images that have been created to document the factual structure or genetic makeup of plants. Rather, the photographs constitute still lifes that unfold as a completely touching aesthetic with their own feelings of brittleness. If viewers position themselves in exactly the right position before these works, the objects seem to be floating in space.

Set before the black background they lose their everyday mundane appearance. Some develop a strong physical presence and others appear almost to dematerialise. With light and shadow, Brodmann has elicited edges and crevices from the brittle plant material, which soon crumbles into dust, making a rolled leaf appear like a delicate sculpture whose end has rolled up into a rocaille. There are almost surreal moments, so it is only on the second look that the delicate paperwork on the left edge of the picture turns out to be a lower part of a garlic onion.

Imogen Cunningham and Richard Mapplethorpe are considered masters of still life in photography. However, they photographed large-format flowers, which were elegantly illuminated and of overwhelming beauty. In the works of Uwe Brodmann, on the other hand, the everyday is the focus. His objects are found objects that other people would not even notice. The photographer finds the plants, withered flowers and leaves, cones and shells on his walks, takes them with him and photographs them in his studio. The colours, shapes and structures that a plant reveals when it withers and its shape changes fascinate him. Placed in front of the neutral black background, the viewer can follow the photographer’s perception and discover the hidden beauty in the transient. Everything has been connected by imaginary lines or form analogies. Nothing seems meticulously constructed. Rather, they have been arranged so that the spontaneity of the appearance of the objects remains noticeable to the viewer.

The still life is a typical genre in the baroque painting of the 17th century in which the masters composed and arranged objects or flowers. In a treatise of 1707, the artist and theorist Gérard Lairesse called on his colleagues to exclude the „cheap, everyday and ugly“ from still lifes. Nevertheless, they painted withering flowers and leaves, as they were part of a broader program of images in the art of that time. People were indirectly asked to keep an eye on their own finiteness. Memento mori. Remember the time of death. One should not waste life with senseless deeds and enjoy it. Carpe diem. Pick the day out. The path from the bud to the withering of the flower symbolised the becoming and passing away of human life. In the photographs, however, Brodmann isolates his found objects from the process of disappearance and he focuses on the appearance in a moment and attaches importance to it. Baroque carpe diem finds its echo in the challenge to 21st century mindfulness. He invites the viewer to contemplate the transient in a meditative way and asks him to perceive its beauty. Nevertheless, the photographer is by no means an enthusiastic romantic. His picture titles refer to the places of discovery of his collected pieces and thus deprive them of arbitrariness. The titles of the objects shown here are called „Bingen, La Villa Stern“ and refer to their location. The other titles of the series were named after street names. This means that anyone could go to these places and look around themselves for all the ephemeral autumn beauties. One will be hard pressed to find a more poetic route description anywhere.

Made in Braunschweig

Drei Künstlergenerationen, die mit der Stadt verknüpft sind, die internationales Renomée genießen, deren Werke und Aktivitäten vielen Kunstliebhabern vertraut sind, die nun in ihre Schatzmappen gegriffen haben (…) Darunter sind wirkliche Überraschungen, wie die großartigen Alpenfotos von Brodmann, hinter denen sich Kriegsgreuel verbergen …

Marianne Winter, Braunschweiger Zeitung, Kunst kann Klaviere retten

Made in Braunschweig

Three generations of artists who are linked to the city, who enjoy international renown, whose works and activities are familiar to many art lovers who have now acquired their treasure portfolios. Among them are real surprises, like the great alpine photos of Brodmann, behind which war atrocities lurk …

Tempel 1 – Detroit, Wolfsburg, Schöningen ... und Braunschweig

Überwiegend Panoramen in einem extremen Querformat eröffnen Blicke auf Kunstwerke und Naturalia an Wänden und in Vitrinen und faszinieren durch ihren komplexen Bildaufbau: Meistens sorgt eine planparallele Schicht für einen ruhigen flächigen Grund. Zugleich entsteht der Eindruck von Tiefenräumlichkeit durch perspektivische Verkürzungen von Raumfluchten und Fenstern, Spiegelungen, Lichtreflexe, Schattenbildungen und partielle Unschärfen bei Langzeitbelichtungen. Eine ganz eigene Wahrnehmung, Bildwirklichkeit nimmt Gestalt an … In den Worten von Maik Schlüter, der die Rede zur Eröffnung hielt:

Brodmanns Fotografien trennen nicht Architektur und Interieur, Objekt und Inszenierung, Raum und Beschriftung oder Ausstellung und Nicht-Ausstellung: die leeren Wände der Gemäldegalerie sind nicht weniger aufschlussreich als die ausgestellte Malerei. Indem Brodmann die strikte Hierarchie von Infrastruktur und Inszenierung aufhebt, zeigt er, dass historische Kategorien und Präsentationsformen wandelbar sind.

Tempel 1 – Detroit, Wolfsburg, Schöningen ... and Braunschweig

Predominantly placed panoramas in an extreme landscape format open up views of works of art and Naturalia on walls and in showcases. They fascinate the viewer with their complex image structure: Usually a planeparallel layer provides a quiet, flat surface. At the same time, the impression of spatial depth is created by the shortening of perspective of space passages and windows, of reflections, light reflections, shadow formations and partial blurring during long exposures. In a very unique perspective, the pictorial reality takes shape … In the words of Maik Schlüter, who gave the opening speech:

Brodmann’s photographs do not separate architecture and interior, object and staging, space and inscription or exhibition and non-exhibition. Rather, the empty walls of the Picture Gallery are no less revealing than the exhibited painting. By abolishing the strict hierarchy of infrastructure and staging, Brodmann illustrates that historical categories and forms of presentation can be changed.

Migration - Integration

(…) Wie kaum ein anderer deutscher Fotograf hat Uwe Brodmann über die vergangenen 30 Jahre hinweg den panoramatischen Blick auf die unterschiedlichsten Genres der Fotografie angewandt, auf Kultur­ und Stadtlandschaften, auf Architektur und Innenraum. Er hat somit dieses schwierige Format, das es kompositorisch zu bewältigen gilt (ohne eben die lang gezogene, zum Effekt neigende Form zu betonen) erst für eine dokumentarisch-­künstlerische Haltung fruchtbar gemacht. Dass ihm damit auch Porträts und Gruppenporträts gelingen, hat er nicht nur mit Aufnahmen unter Beweis gestellt, die sich in einem seinem Buch Stadt-Land-Mensch wiederfinden, sondern auch in seiner Serie Words cannot express…, die Ende der 2000er Jahre an der Küste der Normandie entstanden sind und die alten Vetera­nen des Krieges in ihrer gemeinsamen Erinnerungsarbeit zeigt.

Florian Ebner
Leiter der fotografischen Sammlung im Museum Folkwang, Essen 2012

Migration - Integration

(…) Over the past 30 years, Uwe Brodmann has offered a panoramic view of the most diverse genres of photography, culture, urban landscapes, architecture and interior space. In this regard, he is unrivalled by most other German photographers. He has selected this difficult format, which must be mastered compositionally (without emphasising the long drawn, effect-oriented form), and created a rich and artistic documentary approach. He has demonstrated his success at creating portraits and group portraits, which can be found in his book, Stadt-Land-Mensch, as well as in his series Words cannot express… . The latter emerged at the end of the 2000s on the coast of Normandy and shows the mutual memories from old veterans of the war.

Panoramen der Erinnerung

Uwe Brodmanns Verdienst liegt darin, das gemeinhin für Dokumentationszwecke verwendete Panorama-Format für künstlerische Zwecke zu nutzen. Insofern betrat Uwe Brodmann terra incognita, was sich auch daran ablesen lässt, dass bis in die 1980er Jahre hinein Panorama- Fotografie als künstlerisches Format weitgehend unbekannt war. Selbst in amerikanischen Foto-annuals (Fotografie-Jahrbüchern) jener Zeit waren keine Panorama-Aufnahmen ausfindig zu machen, also in Publikationen aus jenem Land, in welchem bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts die Fotografie als Kunstform etabliert war.

Auch die Panoramen Josef Sudeks lernte Brodmann erst in den 1980er Jahren kennen. Der in Braunschweig lebende und arbeitende Kuünstler kann für sich in Anspruch nehmen, im deutschsprachigen Raum als einer der wenigen, wenn nicht sogar als einziger in den 1970er Jahren die Möglichkeiten der Panorama-Fotografie erkannt zu haben. Im Rahmen von Ausstellungen zollte man diesem Format und seinem Fotografen Anerkennung.

Dr. Sven Nommensen
Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig 2011

Panoramas of Memories

Uwe Brodmann’s innovation lies in using the panorama format, which is commonly used for documentary purposes, and repurposing it for artistic aims. In this respect, Uwe Brodmann entered terra incognita, which is further confirmed by the fact that panorama photography as an artistic format was largely unknown until the 1980s. Even in American photographic annuals (photography yearbooks) of that time, there were no panoramic photographs to be found, despite the fact that photography as an art form had been established in that country since the beginning of the 20th century.

Brodmann only encountered the panoramas of Josef Sudek in the 1980s. The artist, who lives and works in Braunschweig, can claim to have been one of the few, if not the only, to have recognised the possibilities of panorama photography in the German-speaking world in the 1970s. Over the course of exhibitions, this format and its photographer have become familiar.

Dr. Sven Nommensen
Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig 2011

Panoramen der Erinnerung

(…) Als Projekt gehört sie zur Geschichte des Museums, gleichzeitig schreibt sie aber Geschichte, und das auf mehreren Ebenen. Das Museum rezipiert nicht nur mit diesen Fotos das Gesehene und hält es fest, sondern gestaltet in der vorliegenden Form sein eigenes Gedächtnis. Uwe Brodmanns Fotografien sind »Kunst über das Museum« geworden, wir sehen sie auch zugleich als »Museumskunst«, denn die jetzt in dieser Sonderausstellung präsentierten Arbeiten werden überwiegend auch in der Zukunft präsentiert, in den Räumen des Erweiterungsbaues des Museums.

Prof. Dr. Jochen Luckhardt
Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig 2011

Panoramas of Memories

As a project, it is part of the museum’s history, but at the same time it writes history on several levels. The museum not only receives and records what it has seen with these photographs, but also shapes its own memories in the present form through a mutually reciprocal process. Uwe Brodmann’s photographs have become „art about the museum“ while simultaneously constituting „museum art“ as the works now presented in this special exhibition are mainly presented in the future, in the newly added rooms of the museum.

Professor Jochen Luckhardt
Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig 2011

Panoramen der Erinnerung

(…) Seiner kulturellen und politischen Neugier folgt Brodmann auch in einer ganz aktuellen Arbeit: Er fotografiert Menschen und Familien mit Migrationshintergrund (…) sowohl zu Hause als auch an ihrem Arbeitsplatz. Wie leben diejenigen, die ihre Wurzeln nicht in Deutschland haben? Pflegen sie die Traditionen ihrer Heimat? Gibt es das, was Politiker polemisch als Parallelgesellschaften bezeichnen, wirklich? Diese Klischees könne man vergessen, beschreibt Brodmann seine Eindrücke. Die komplette Bildstudie wird im März 2012 im Schloss Salder in Salzgitter gezeigt.

Bettina Maria Brosowsky, Der Erzähler, taz 30. November 2011

Panoramas of Memories

Brodmann also follows his cultural and political curiosity in very contemporary work: He photographs people and families with migrant backgrounds (…) both at home and in their workplaces. How do people without roots in Germany live? Do they cultivate the traditions of their adopted homeland? Politicians polemically refer to parallel societies. Do such societies really exist? According to Brodmann’s impressions, these clichés can be forgotten. The complete study will be shown in March 2012 at the Salder Castle in Salzgitter.

Bettina Maria Brosowsky (taz, die tageszeitung)

Panoramen der Erinnerung

(…) Er ist allein dem eigenen Empfinden gefolgt, mit dem unverstellten Blick des Außenstehenden hat er sich nur seiner eigenen Perspektive verpflichtet gefühlt. So hat er auf sehenswerte Weise mit seinen Fotos im Panoramaformat zugleich ein Stück Museumsgeschichte künstlerisch festgehalten und sich selbst in diese eingeschrieben! (…) Alle Gemälde sind raus, und doch ist es so, als betrachte man nicht ein Foto eines ausgeräumten Gemäldesaals, sondern ein Gemälde von Edward Hopper. Arrangiert hat Brodmann nichts, die Kompositionen ergeben sich aus Licht, Schatten, wiederkehrenden Strukturen.

Susanne Jasper, Braunschweiger Zeitung, 24. September 2011

Panoramas of Memories

(…) Alone with only his feelings and the unobstructed gaze of the outsider, Brodmann feels obliged to present his own perspective. With his panoramic photographs, he has artistically captured a piece of museum history and inscribed himself within it as well (…) All the paintings have been removed from the fine arts gallery and yet it is as if you are looking at a painting by Edward Hopper rather than at a photograph in a gallery devoid of paintings. Brodmann has arranged nothing. His compositions result from light, shadow and recurring structures.

Susanne Jasper, Braunschweiger Zeitung, 24. September 2011

20 Jahre Salon Salder

Uwe Brodmann zeigte seine Bilder im Salon Salder im Jahre 2005. Der Künstler ist mit stillen minimalistischen Landschaftsaufnahmen bekannt geworden, deren Horizontalität er mittels einer Panoramakamera verstärkt. Diese setzt er Anfang der neunziger Jahre auch für Porträtaufnahmen ein. Ihr großer Aufnahmewinkel erlaubt es ihm, seine Protagonisten in Interaktion mit anderen zu zeigen oder in ihrem beruflichen und häuslichen Umfeld, um sie noch präziser zu charakterisieren (…) Brodmann fotografierte die Gedenkfeier im Jahr 2009. Es ist bewegend, die alt gewordenen, Orden geschmückten Kämpfer vor dem Hintergrund der Küste zu sehen, wo so viele ihrer Kameraden ihr Leben gelassen haben …

20 years of Salon Salder

Uwe Brodmann exhibited his paintings at the Salon Salder in 2005. The artist is known for his silent minimalist landscape shots. He horizontally amplifies these shots by means of a panoramic camera angle. At the beginning of the nineties, he also used this angle for portraits. His wide shooting angle allows him to capture his protagonists in interaction with others and to characterise them even more precisely in either their professional or domestic contexts (…) Brodmann’s memorial was photographed in 2009. Particularly moving are the photographs of old, decorated warriors against the background of the coast where so many of their comrades had lost their lives. (…)

20 Jahre Salon Salder

(…) Einige Maler wie Rainer Splitt, Lienhard von Monkiewitsch oder Christel Irmscher, alle bereits bei der Premiere 1991 dabei, wurden über die Jahre gleich mehrmals ausgestellt, um ihre Entwicklung zu verfolgen. Doch diesmal kommen die stärksten Stücke der Schau von den Fotografen. Janina Wiek, die an der Fachhochschule Hannover studiert hat, überzeugt mit einfühlsamen Aufnahmen 13-jähriger Mädchen (…) Und Uwe Brodmann poträtiert in seiner Serie »D-Day« Kriegsveteranen bei den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag der Invasion. Ihre gebrechlichen Gestalten am Strand der Normandie werden zur Projektionsfläche für die Leiden der Vergangenheit …

Kristina Tieke, Hannoversche Allgemeine, Oktober 2010

20 years of Salon Salder

(…) Various well-known painters such as Rainer Splitt, Lienhard von Monkiewitsch and Christel Irmscher were all exhibited earlier at the 1991 premiere and then regularly exhibited over the years in order to follow their development. Yet this time the strongest pieces of the show came from the photographers. Janina Wiek, who studied at Hannover University of Applied Sciences, captures the viewer’s attention with nuanced shots of 13-year-old girls (…) Uwe Brodmann in his D-Day series consisting of portraits of war veterans at the 65th anniversary celebration marking the D-DAY invasion. Their fragile appearance displayed on the beach of Normandy transforms into a projection screen for the suffering of the past …

Kristina Tieke, Hannoversche Allgemeine, Oktober 2010

Eröffnung D-Day

(…) Auch bei Uwe Brodmann ist das so, auch er hat seine Bildwirklichkeit im Kopf und erweitert sein fotografisches Werk, indem er Menschen und Orte findet, die dieser seiner Bilderwelt entgegen kommen (…) Ohne dass er sie gesucht hatte – eher hatten sie ihn, den Fotografen, gesucht – liierten sich die Bilder dieser ergreifend inszenierten Gedenkfeierlichkeiten mit den Bildern im Kopf und es entstand die Werkgruppe D Day 2009. Zunächst waren da Colonel Alex Johnson, Bill Dunn (Tankdriver), Patrick Moora und Ron Cross, hoch dekorierte Veteranen im blauen Blazer. Uwe Brodmann stellt sie in die Mitte seiner extrem querformatigen Aufnahmen vor ihren Tank, aber wichtiger noch: vor ihre Küste. Das Meer, der Kanal, über den sie vor 65 Jahren gekommen waren, der Strand, an dem sie gekämpft und überlebt hatten, liegt hinter ihnen. Das ist eine Bildregie, wie wir sie aus dem Werk von Uwe Brodmann kennen. Aber hier überrascht uns der Fotograf mit einer Erzählfreude, einem Perspektivwechsel und einem Gespür für die historische Dimension der Szenen, die ein ganz neues Kapitel in seinem schon heute recht umfangreichen Werk aufschlagen (…) Erst mit diesen Aufnahmen, so scheint mir, wird der Heldenmut der Soldaten in seiner ganzen Größe deutlich, erst mit diesen Bildern könnte die Serie von Uwe Brodmann zum festen Bestandteil unseres Bildergedächtnisses an die Opfer dieser weltgeschichtlich so bedeutenden Befreiungsschlacht werden.

D-Day Exhibition opening day

(…) This is also the case with Uwe Brodmann, as he too has his pictorial reality in his mind’s eye and expands his photographic work by finding people and places that match his inner representations (…) It seems that he does not even look for them. Rather they appear to find him, the photographer. The pictures of this poignantly staged commemorative celebration were combined with his mental images and the group of works entitled D Day 2009 was created. First there were Colonel Alex Johnson, Bill Dunn (Tank driver), Patrick Moora and Ron Cross, highly decorated veterans in blue blazers. Uwe Brodmann positioned them in front of their tank in the middle of his extreme wide-angle landscape – format shots but, more importantly, on their coast. The sea, the channel they crossed 65 years ago, the beach where they fought and survived, is behind them. This is a visual reproduction as we know it from the work of Uwe Brodmann. But here the photographer surprises us with the joy of narration, a change of perspective and a sensitivity to the historical dimension of the scenes, which open up a completely new chapter in his already extensive body of work (…) In my opinion, it is only now with the addition of these photographs that the heroism of the soldiers becomes clear in all its nobility; only with these images could the series of Uwe Brodmann become an integral part of our pictorial memory of the victims of this historically meaningful battle of liberation.

Stadt-Land-Mensch

Die Panorama-Photographien von Uwe Brodmann sind technische Bilder, aber auch ihr Sehen ist viel älter als die apparative Aufnahme- und Verarbeitungstechnologie (…) Stadt – Land – Fluss: Dieses Kinderspiel ist für Generationen begriffsbildend gewesen, nicht nur im Sinn der Bildung. Neben der Fähigkeit der Zuordnung von Namen zu anderen – mit überprüfbarem Wissen, also Wahrheitsanspruch – wird in diesem Spiel assoziativ mit Räumen umgegangen, mit Vorstellungen und Träumen vom Verreisen und Kennenlernen. Dass der Fluss hier durch den Menschen ersetzt wurde, hat auch metaphorische Bedeutung. Zum einen ist die Photographie das Medium des Stillstellens von Zeit schlechthin; mit Roland Barthes ist alles, was in der Zigstel Sekunde des Auslösens vor der Kamera zu sehen war, unmittelbar Geschichte geworden, schlichtweg tot. Zum anderen hebt gerade Uwe Brodmann durch die Panoramakamera mit rotierendem Objektiv dieses Abschlachten des Augenblicks noch ein wenig auf, selbst wenn er nicht von den Möglichkeiten einer Mehrfachbelichtung während der Rotation Gebrauch macht.

Das Portrait gehört zu den nobelsten Aufgabe jeder Abbildtechnologie. Für das photographische Portrait gilt wie für jedes andere, dass es zunächst als Epitaph funktioniert: So wie auf diesem einen Bild wird der gezeigte Mensch nie wieder aussehen, ob wir Betrachenden das nun wollen oder nicht – in der Photographie ist jedoch die frühere Sitzung als Begegnung zwischen Künstler und Dargestelltem auf den Bruchteil einer Sekunde zusammengeschnurrt. Für das Portraitieren ergibt sich daraus die Alternative zwischen einer metaphorisch wirkenden Situation oder einer Inszenierung im Anspruch jenseits von Zeit und Raum. Uwe Brodmann hat sich – als Teil seines Spiels mit den Assoziationen der Arbeit des Photographen – für die erste Variante entschieden: Selbstverständlich sind seine Bilder vorbereitet, doch ist der Moment des Aufnehmens irgendwann soweit fixiert, dass die Kamera ihn nur noch ausführen kann, im engen Wortsinn.

Zur Vorbereitung eines jeden Portraits gehört die Auswahl des Ortes, an dem die Protagonisten festgehalten werden; dies ist eine Arbeit, der sich Uwe Brodmann aufgrund der Arbeit mit der Panoramakamera besonders sorgfältig unterziehen muss. Hier kommen die beiden andere Elemente ins Spiel: Stadt und Land. Assoziativ, zwischen träumerisch und real vorgefunden, werden breite und weite Räume ausgesucht, die die Portraitierten als Person charakterisieren, ganz im Sinn jener Maske, die die griechischen Tragöden vor dem Gesicht trugen und durch die hindurch sie ihre anschwellenden Bocksgesänge vollführten. Person und Tragödie sind Teil eines Schauspiels, und ein wenig davon hat Uwe Brodmann aus der Antike in seine technischen Bilder hinübergerettet (…) Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten sich Panoramakamera und FishEye-Objektiv als bildnerische Effektgeräte, teilweise bis zur modischen Überspannung.

Nichts davon interessiert Uwe Brodmann; für ihn ist das Panorama Teil seines Spiels mit Stadt, Land und Mensch. Im Portrait der Familie Buchler sind zwei Menschen und ein Hund in einem Raum voller Kultur und Kunst versammelt, alle und alles gehören zusammen und sind doch voneinander unendlich weit entfernt. Maler und Tänzer posieren vor klassisch leeren Räumen und sind endlich allein, aber auch in ihrer Eitelkeit entlarvt. Der Bildhauer im Garten, der Kommunikationsdirektor im Fußballstadion markieren räumliche Situationen zwischen drinnen und draußen, ihren selbstgestellten Aufgaben und Funktionen gemäß. Der Professor und das Kind im Walde sehen die Räume als Hilfsmittel, mit sich und der Natur eins sein zu können, und sei es für den Goethe’schen Augenblick, der nie vorbeigehen möge. Ein alter Photograph schließt seine Ateliertür, weil er ohnehin nichts mehr sieht. Ein Paar traut sich im Labyrinth spätromanischer Gurtbögen, und zwei Werkstätten führen sich selbst als Suchräume des Alltäglichen vor.

Immer aber steht der Mensch in der Nähe des Bildzentrums als vertikale Achse des gekrümmten Raums dahinter und bestimmt die Spielregeln der Assoziation von Stadt und Land; von seltenen Ausnahmen einmal abgesehen, bei denen meist ein Spiel im Spiel zwischen den abgebildeten Menschen vorgeführt wird. Ohne den Menschen ist der Raum nicht denkbar, und im Vorbeigehen an den Bildern selbst oder im Durchblättern dieses Katalogs wird deutlich, dass auch die Bilder ohne Menschen von Menschen geprägt sind. Durch die Aufnahmen vom Land ziehen sich Wege, es sind immer Kulturlandschaften, die hier vorgeführt werden, ganz wie in den Aufnahmen des Photographenkollegen Heinrich Riebesehl. Die Bilder der Stadt zeigen sich oft in speziellen Lichtsituationen und akzentuieren das Gemachte des Urbanen, ganz wie in den Aufnahmen des anderen Photographenkollegen Heinrich Heidersberger. Beide Kollegen stehen heute als weithin berühmte Lichtbildner für einen medienspezifischen Regionalismus, der die Kunst in der Photographie zunehmend bestimmt …

Prof. Rolf Sachsse, Allsichtiges mit Bauten, Bäumen und Menschen

Urban-rural-human

Although Uwe Brodmann’s panoramic photographs are technical images, their vision is much older than the recording and processing technology (…) The children’s game ‚City – Country – River‘ has been conceptual for generations and not only in an educational sense. In addition to the ability to assign names to others – with verifiable knowledge, meaning a claim to truth – this game deals associatively with spaces, with ideas and dreams of travelling and getting to know each other. The replacement of the river through man also has a metaphorical meaning. On the one hand, photography is the medium of silence of time par excellence; with Roland Barthes everything that could be seen in front of the camera in the umpteenth second of the shutter release becomes history and is simply dead. On the other hand, Uwe Brodmann’s panoramic camera with rotating lens salvages a bit of this slaughter of the moment, even when he does not dwell on the possibilities of multiple exposure during rotation.

The portrait is one of the noblest tasks of any imaging technology. For the photographic portrait, as for any other, it works first as an epitaph: As in this one picture, that particular person being shown will never look the same way again, whether we contemplate it or not – in photography. However, the earlier session is an encounter between the artist and the person who will be portrayed as they have come together for a fraction of a second. For the portrait, this assertion beyond time or space results in a choice between a metaphorical situation or an orchestrated composition. Uwe Brodmann has decided – as part of his game with the associations of the photographer’s work – for the first variant: Of course his pictures are prepared, but the moment of recording is fixed at some point so that the camera shot can only be executed by him in the narrowest sense of the word.

The preparation of each portrait includes the selection of the location where the protagonists will be placed for eternity; Uwe Brodmann has to engage with this decision particularly carefully due to his work with the panorama camera. And here is where the two other elements in the game, ‚City and Country‘, come into play. Locations are chosen associatively, between dreams and reality and far and wide spaces. In this way, the portraits of each person are characterised much like a mask in a greek tragedy, where the mask is carried in front of the face and through which protagonists performed their swelling goat songs. Person and tragedy are part of a spectacle, and Uwe Brodmann has carried a little of this over from antiquity into his technically advanced images (…) After the Second World War, the panorama camera and FishEye lens established themselves as pictorial effect devices, sometimes to the point of fashionable overextension.

None of this interests Uwe Brodmann. For him, the panorama belongs to his city, country and people game. In the portrait of the Buchler family, two people and a dog are gathered in a room full of culture and art, all and everything belong together and yet are infinitely distant from each other. Painters and dancers pose in front of classically empty spaces but they are ultimately alone and unmasked in their vanity. The sculptor in the garden, the communication director in the football stadium mark spatial situations between inside and outside, according to their own tasks and functions. The Professor and the child in the forest see the rooms as a means to connect with nature, and be it for Goethe’s moment, which may never pass by. An old photographer closes his studio door because he doesn’t see anything anymore. One couple dares to enter into the labyrinth of late Romanesque belt arches and two workshops present themselves as research spaces for the everyday. But man always stands near the center of the image as a vertical axis of the curved space behind and determines the rules of the association of city and country, of rare exceptions once apart, in which a game between the pictured people is usually being demonstrated. Without man, space is not conceivable, and in passing the pictures themselves or in browsing this catalogue makes it clear that even the pictures without people are nevertheless shaped by people. Paths run through the photographs of the countryside; it is always cultural landscapes that are presented here, much like in the photographs of fellow photographer Heinrich Riebesehl. Today, as widely renowned photographers, both colleagues stand for a media-specific regionalism that increasingly determines art in photography …

»Bilder mit einem einzigartigen Ausdruck«

Bilder mit einem einzigartigen Ausdruck entstehen: ruhig gestaltete, nahezu minimalistische, oft annähernd symmetrische Landschaftsansichten mit einer lyrisch und meditativ anmutenden Bildkomposition (…) So gewinnen Uwe Brodmanns Portraits trotz ihrer fast immer strengen Bildgestaltung ohne überflüssige Schnörkel ein hohes Maß an Authentizität und lassen sich fast wie Bücher lesen. In all seinen Arbeiten lässt Uwe Brodmann die Portaitierten als selbstbewusste, mitten im Leben stehende Persönlichkeiten erscheinen …

»Pictures with a unique expression«

Pictures with a unique expression emerge: serene arrangements, almost minimalistic, with virtually symmetrical landscape views that are lyrical and meditative (…) Thus Uwe Brodmann’s portraits gain a high degree of authenticity despite their mostly strict image design without superfluous embellishments. They can almost be read like a book. In all his works, Uwe Brodmann creates images that appear as self-confident personalities standing in the middle of life …

15 Jahre Salon Salder

Der Salon Salder ist nun zum 15. Mal ein wichtiges Forum niedersächsischer Künstler (…) Mit einer Panoramakamera beobachtet Uwe Brodmann auf Breitwand seine Freunde inmitten der Orte, die Teil ihrer Persönlichkeit sind. Ihm gelingt eine komplexe Charakterisierung. So erscheint Klaus Stümpel als Teil des Waldes, der (…)

15 years of Salon Salder

Now in its 15th year, Salon Salder is an important forum for artists from Lower Saxony (…) With a panoramic camera, Uwe Brodmann observes his friends on widescreen in the midst of the places that are part of their personalities and succeeds in a complex characterisation of them. Thus Klaus Stümpel appears as part of the forest, the (…)

Ausstellung Atelier Scharrnstraße 23

(…) Was ist die Authentizität, die »Unverwechselbarkeit« von Uwe Brodmann? Vielleicht das »Unspektakuläre im Spektakulären«.  Oder umgekehrt. In der Mitte, als nicht gleich erkennbare, auf Selbst-Inzenierung verzichtende Meisterschaft. Eher leise als laut. Ohne sich aufdrängende Botschaft, aber mit allen Grautönen. Zen und die Dialektik von Suchen und Finden (…) Darüber hat Hermann Hesse einmal geschrieben:

Wenn jemand sucht, dann geschieht es leicht, dass sein Geist nur noch das Ding sieht, dass ersucht – dass er nichts zu finden, nichts in sich einzulassen vermag, weil er immer nur an das Gesuchte denkt, weil er ein Ziel hat, weil er vom Ziel besessen ist. Suchen heißt: Ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben.

Daniel Simons, Ausstellung im Atelier Scharrnstraße 23, Braunschweig, 25. November 2001

Exhibition in the Gallery Scharrnstraße 23

How can one characterise Uwe Brodmann’s authenticity, his ‚distinctiveness‘? Perhaps it is the ‚unspectacular in the spectacular‘ in his work. Or perhaps the opposite is true. In the center, not immediately recognisable, is a mastery that renounces self-aggrandisement. The images are quiet rather than loud. He refrains from imposing a direct message in favour of embracing all shades of grey. Zen and the dialectic of searching and finding (…) As Hermann Hesse once wrote:

When someone is searching, it easily happens that his mind sees only the thing that he is searching for – that he is not able to find anything, to let anything in, because he always thinks only of what he is searching for, because he has a goal, because he is obsessed with that goal. To seek means: to have a goal. But to find means: to be free, to stand open, to have no goal.

Daniel Simons, Exhibition in the Gallery Scharrnstraße 23, Braunschweig, 25. November 2001

»Auf der Suche nach dem Unspektakulären«

Der »Wahnsinns-Bilderflut« unserer Zeit mit all den technischen Sensationen und Revolutionen setzt der Fotograf, der sich von allen Moden und innovativem Kunstdrang um der Innovation willen gelassen distanziert, seine betont unspektakulären Bilder entgegen. Was Brodmann fasziniert an diesem landschaftlichen Minimalismus, sind die graphischen Elemente, die Auflösung in Linien und Strukturen. Er erspürt den ästethischen Reiz von Ordnung und Wildwuchs. Und entdeckt die kleinen Unregelmäßigkeiten und Überraschungsmomente, die wie in der Minimal Music die Spannung ausmachen und Atmosphäre aufbauen (…) und wärend Kollegen Ausrüstungen im Gegenwert eines Sportwagens umherschleppen, ist Brodmann zumeist mit einer alten russischen Panorama-Kamera unterwegs, durch deren 120-Grad-Blickwinkel jene typische leere Weite in seine Bilder kommt, die so leer und weit ist, dass sie schon wieder wirkt wie angefüllt mit einem beinahe surrealen Fluidum (…) auf der Suche nach dem Unspektakulären ist Brodmann auch bei seinen Portraits, die – ebenfalls mit Panorama aufgenommen – die Porträtierten besonders intensiv in ihr alltägliches Ambiente einbinden … (Die alte russische Panoramakamera ist mittlerwile durch eine japanische Rollfilm-Panorama ersetzt worden.)

»Searching for the unspectacular«

The photographer, who calmly distances himself from all current trends and artistic pressure for the sake of innovation, counters the current ‚mad flood‘ of images with all their technical sensations and revolutions with his decisively unpretentious pictures. What fascinates Brodmann about this landscape minimalism are the graphic elements, the dissolution into lines and structures. He senses the aesthetic appeal of order and wild growth. He goes further to discover the small irregularities and moments of surprise that, as in minimal music, make up the tension and build atmosphere (…). While colleagues lug around equipment the size and weight of a sports car, Brodmann is usually on the road with an old Russian panorama camera. Through the 120-degree viewing angle of this camera, empty expanses typically emerge in his pictures, which are so empty and wide that they already appear to be filled with an almost surreal atmosphere (… ) Brodmann is also searching for the unspectacular in his portraits, which – also taken with a panorama camera – intensively situate the portrayed persons in their everyday ambience … (The old Russian panorama camera has meanwhile been replaced by a Japanese roll-film panorama. )

Uwe Brodmann und die schöne Fotografie

Susan Sontag – eine kluge Kritikerin – sagte 1977:

»Für die meisten Amateure ist eine Schöne Fotografie eine Fotografie von etwas Schönem.«

In diesem Sinne sind die Fotos dieser Ausstellung nicht schön (…) sie sind meisterlich gestaltet, d.h. sie sprechen eine klare Sprache, ohne je langweilig zu wirken. In diesem Sinne sind die Bilder dieser Ausstellung schön.

Axel Dick, Uwe Brodmann und die schöne Fotografie, Katalog Nürnberg, 1986

Uwe Brodmann und die schöne Fotografie

Susan Sontag – a renowned critic – said in 1977:

„For most amateurs, a Beautiful photograph is a photograph of something beautiful.“

In this vein, the photographs in this exhibition are not beautiful (…) they are masterfully crafted, which means they speak a clear language without ever seeming boring. In this sense, the images of this exhibition are beautiful in a much more profound sense.

Axel Dick, Uwe Brodmann und die schöne Fotografie, Katalog Nürnberg, 1986

 

»... viel über den Menschen«
(…) Ihrer Funktion entkleidet, erstarrt Architektur zur Leblosigkeit, wird zum eigenständigen Raumkörper, wird Plastik. So teilen die Bilder von Brodmann viel über den Menschen mit, obwohl der Mensch in seinen Bildern nicht vorkommt.

Hans Ulrich Müller, Hannover

»... a lot about man«

(…) Stripped of its function, architecture solidifies into lifelessness, becomes an independent spatial body, becomes sculpture.  Thus, Brodmann’s pictures communicate a lot about man, although man does not appear in his pictures.

Hans Ulrich Müller, Hannover

»Eine subjektive Sicht auf die Landschaft«

(…) Brodmann, mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet, zeigt Landschaftsfotografien, die sich gleichermaßen durch die originelle Auswahl der Motive wie durch die stimmungsvolle Interpretation eines einfachen Themas auszeichnen. Ähnlich wie der Fotograf Riebesehl mit seinen »Argrarlandschaften« beschäftigt sich auch Brodmann mit der argrarwirtschaftlich genutzten Landschaft Niedersachsens mit ihren weit ausgedehnten Korn- und Rübenfeldern. Der nüchtern dokumentarischen Bestandsaufnahme Riebesehls setzt Brodmann jedoch eine subjektive Sicht auf die Landschaft entgegen. Stimmungsvolle, oft eigenartige Lichtwirkungen verleihen seinen Aufnahmen einen gefühlsstarken Ausdruck. Das nüchtern Beobachtete und das Romantische gehen bei ihm eine eigenwillige Verbindung ein …

Weserkurier, 9. November 1983

»A subjective view of the landscape«

(…) Brodmann, who has won a number of awards, offers landscape photographs that are characterised equally by the original selection of motifs and the atmospheric interpretation of a simple theme. Similar to the photographer Riebesehl with his ‚Argrarlandschaften‘ (agricultural landscapes), Brodmann also focuses on the agricultural landscape of Lower Saxony with its vast corn and beet fields. However, Brodmann contrasts with Riebesehl’s sober documentary survey with a subjective view of the landscape. Atmospheric, often peculiar light effects lend his photographs an emotional expression. The soberly observed and the
romantic enter into an idiosyncratic conversation …

Weserkurier, 9. November 1983

Ausstellung in der Galerie für Photographie
Uwe Brodmann kommt mit seinen Bildern noch am stärksten der Dokumentarphotographie nahe, dies aber auf poetische Weise (…) hat der Photograph die von Menschen gestaltete Kulturlandschaft aufgenommen: Felder vor Wäldern und Industrieanlagen, Parkszenen und eine faszinierende Parklandschaft. Es sind überwiegend extreme Quer- und Hochformate, die den Bildern eine suggestive Weitwinkeltiefe geben und die fast schon die Grenze von der Sille zur Monotonie überschreiten.

Rolf Heckelsbruch, Braunschweiger Zeitung, 1981

Ausstellung in der Galerie für Photographie

Uwe Brodmann’s images still come closest to documentary photography, but in a poetic way (…). The photographer has captured the cultural landscape shaped by people: Fields in front of forests and industrial plants, park scenes and a fascinating botanical landscape. They are predominantly landscape and portrait formats, which give the images a suggestive wide-angle depth and suggestively signal possible crossings of the borders between silence and monotony.

Rolf Heckelsbruch, Braunschweiger Zeitung, 1981